Das Ringen um die christliche Identität in den ersten Gemeinden

27. Oktober 2011 No comments »

Eigentlich waren die Voraussetzungen nicht gerade günstig: in einem eher unbedeutenden Teil des Römischen Reiches tritt ein junger Wanderprediger auf, predigt von der Buße und der Erneuerung des Glaubens, sammelt einige Anhänger um sich und wird nach kurzer Wirkenszeit schmählich zu Tode gebracht. Hätte die Jesusgeschichte hier geendet, sie wäre kaum eine Fußnote in der Geschichtsschreibung. Doch seine Anhänger, die ihn erlebt haben, wurden auf so unglaubliche Art und Weise von seiner Person, seinem Handeln und seinen Worten berührt, dass sie in Jesus Gott selbst am Werk sahen. Das motivierte sie, Jesu Worte und Taten weiter zu erzählen, sogar aufzuschreiben und sie der Nachwelt zu überliefern. In rasant kurzer Zeit verbreitete sich die neue Bewegung in großen Teilen des Römischen Reichs und wurde von einer innerjüdischen Reformbewegung zu einer Weltreligion – und das ist das Christentum bis heute. Doch die Entwicklung dahin lief nicht reibungslos ab und war von Anfang an mit einem Ringen um die Wahrheit und den rechten Glauben verbunden, und oft genug mit massiven Konflikten, schmerzhaften Trennungen und Verfolgungen. » Read more: Das Ringen um die christliche Identität in den ersten Gemeinden

Dankbarkeit an Leib und Seele

29. September 2011 No comments »

Am Erntedankfest feiern wir das Leben, das Gott uns schenkt, in seiner ganzen Fülle. Wir nehmen mit den Erntegaben wieder bewußter wahr, was gewachsen und schön geworden ist, und auch, was in diesem Jahr vielleicht verkümmert ist oder zuwenig Pflege hatte. In den Kirchen werden die Altäre reich geschmückt: Gemüse und Obst, Blumen und Getreide werden präsentiert als ein schönes Zusammenspiel der Schöpfungsgaben Gottes an uns. Die Dankbarkeit dafür drückt sich auch in der Sorge um unseren Nächsten aus. Brot für die Welt! fordern wir auch an diesem Tag wieder. Der Predigttext aus Jesaja 58 gibt einige ganz klare Hinweise. Die Sorge für das Brot des Nächsten muß als Christen für uns einfach dazugehören als Sorge um das leibliche Wohl des anderen. Dazu kommt aber auch die Sorge um das seelische und geistliche Wohl des Anderen: Jesaja sagt uns ganz klar, was auch die Zehn Gebote anmahnen und Jesus zu vielen Gelegenheiten sagt: „Wenn du in deiner Mitte niemanden unterjochst, nicht mit dem Finger zeigst und nicht übel über einen anderen redest…“, dann wird es nicht nur deinem Nächsten, sondern auch dir gut gehen. Die Dankbarkeit, die wir empfinden, wenn uns bewusst wird wie gut es uns geht, die drückt sich auch darin aus, wie wir miteinander umgehen. Dankbarkeit, Freundlichkeit, Versöhnungsbereitschaft und der gemeinsame Blick nach vorn baut auf, baut Gemeinde auf. Davon profitieren nicht nur andere, sondern auch wir selbst, denn über einen anderen Schlechtes zu reden, ihn mies zu machen, das fällt auf uns selbst zurück und zerstört auch in uns die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit, die sich in Taten und in Worten ausdrückt, ist das beste Heilmittel gegen die Überforderung und den Frust, und sie verhilft uns zu einem schärferen Blick für das Wohl des Anderen und zu einem gelasseneren Umgang mit uns selbst.

Krieg und Frieden – Predigt am 11. September

9. September 2011 No comments »

Liebe Gemeinde,
die Bilder des 11. September 2001 werden uns in diesen Tagen wieder vor Augen geführt: die brennenden Türme, der zerstörte Flügel des Pentagon, die 4. Maschine zerschellt auf einem Acker. Menschen in den dunkelsten Stunden ihres Lebens, manche auch in den letzten Stunden ihres Lebens. Die Unausweichlichkeit ihres Sterbens ist immer noch ein Horror, und die Brutalität und bodenlose Verachtung des Lebens, mit dem die Verantwortlichen der Terroranschläge Tausende in den Tod trieben, ist unfassbar.
Wer immer daran gezweifelt hat, dass das Böse in der Welt sehr präsent ist, ist eines bitteren Besseres belehrt worden. Und das Böse hörte nach den Anschlägen nicht auf, sondern wandelte sich. Wegen des 11. September wurde Kriege geführt, zahllose Leben vernichtet. Ist diese Welt dadurch besser geworden? Ich glaube nicht. » Read more: Krieg und Frieden – Predigt am 11. September

Ehrenamt? Ehrensache!

27. August 2011 No comments »

Unverhofft klingelt es an der Tür: ein netter Mensch stellt sich vor und erzählt von seiner Mitarbeit beim Aufstellen von Zaun und Tor des Kindergartens Elm vor einigen Jahren. Nun wird es neu gemacht und er ist interessiert am Vorangehen der Arbeiten und bietet sogar erneut Hilfe an. Eine tolle Begegnung! Als Pfarrer kann man da nur eines sagen: von Herzen Dankeschön! Erst mit Menschen, die einen Teil ihrer Zeit und Kraft der Kirchengemeinde zur Verfügung stellen, läuft die Arbeit richtig gut.
Es gibt viele Stellen, wo es möglich und auch nötig ist, dass neben den hauptamtlichen Mitarbeitern noch mehr Menschen mitarbeiten: bei der gemeinsamen Leitung der Gemeinde im Kirchenvorstand, bei der Gottesdienstgestaltung, im KiGo-Team, im Besuchsdienst, in der Seniorenarbeit und Frauenarbeit und und und. Das betrifft die Arbeit in Gruppen, die oft über Jahre und Jahrzehnte laufen genauso wie das einzelne Projekt. Denken Sie nur an den gelungenen Kirchentag in Schlüchtern! Viel Engagement war nötig, um ihn auf die Beine zu stellen, und viel Vorbereitung, aber es ist gelungen und war ein wunderbares Fest. Oder den Unternehmer, der mit seinem Know-How, seiner technischen und personellen Ausstattung ganz selbstverständlich hilft, eine große Baustelle in den Griff zu bekommen.
Ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre der Auftrag der Kirchengemeinde, das Evangelium zu den Menschen zu bringen, nicht zu erfüllen. » Read more: Ehrenamt? Ehrensache!

Klarstellung zum Bericht der GNZ am 14.8.2010

14. August 2010 1 comment »

Im Artikel der Gelnhäuser Neue Zeitung vom 14.8.2010 “Widerstand gegen die Plände des Bischofs” zu der anstehenden Pfarrstellenanpassung wird eine aktuelle Kontroverse in der Gemeinde beschrieben. Leider ist der Artikel in einigen Punkten nicht ganz präzise und mit zum Teil irreführenden Interpretationen versehen. So finde ich, dass die klare und überaus begrüßenswerte Position des Bischofs, Kirche im ländlichen Raum präsent zu halten, dabei aber gleichzeitig den wirtschaftlich notwendigen Einsparungsvorgaben zu entsprechen, wie die Quadratur des Kreises erscheint. Das ist für alle Beteiligten äußerst schwer umzusetzen. Ich kenne kein Modell, das diese beiden Positionen gleichwertig miteinander vereint. Diesen beiden widerstrebenden Poeln gerecht zu werden und ein zukunftsfähiges Modell zu erarbeiten verlangt von allen Beteiligten ein Höchstmaß an Anstrengung, Kreativität und Feingefühl.

» Read more: Klarstellung zum Bericht der GNZ am 14.8.2010

Der KOMM(unikations)RAUM

7. August 2010 No comments »

Büro der Kirchengemeinde, vor der NeugestaltungDie Räume einer Kirchengemeinde dienen der Gemeinschaft von Menschen: dort wird geredet und gearbeitet, gelacht und getrauert, gebetet und gesungen. Zugleich sind die Gemeinderäume auch ein wesentlicher Spiegel des Selbstverständnisses einer Kirchengemeinde: Wie sind sie gestaltet? Welche Formen und Farben wurden ausgewählt? Unterstützen die Räume den Inhalt des Zusammenseins? Vor allem aber: Sind sie einladend? Werden die Menschen, die diesen Raum betreten, sich darin wohl fühlen und gern wiederkommen?
In meiner Gemeinde wird das Gemeindebüro von der Gemeindesekretärin betreut, die die anfallenden Büroarbeiten erledigt und Ansprechpartnerin für allerlei Anliegen der Gemeindemitglieder ist.Büro der Kirchengemeinde, vor der Neugestaltung

» Read more: Der KOMM(unikations)RAUM

Mein “dolles Dorf”

16. Februar 2010 No comments »

Anruf des Bürgermeisters am Donnerstag abend, 20.38, mitten in der Chorprobe, auf meinem Handy: „Wir sind als dolles Dorf im hr-Fernsehen gezogen worden! Wir treffen uns heute abend noch mit dem hr-Team zur Besprechung im Rathaus. Kommen Sie?“ Natürlich komme ich. Wenn das Dorf vorgestellt wird, darf die Kirche nicht fehlen, und damit ich als Pfarrerin auch nicht. Im Rathaus ab 22.00 Uhr: eine fröhliche große Runde von neugierigen Menschen, die ihren Verein oder Aktivität gern präsentieren möchten und Teil sein wollen im Fernsehbeitrag. Das Fernsehteam wird begeistert und mit Tusch empfangen, und dann wird besprochen, wie der Ort am besten präsentiert werden kann, was hier typisch ist und wie was wann gedreht werden kann. Die Kirche steht nur auf der Liste des Bürgermeisters weit oben, für das Fernsehteam ist sie zunächst kein hotspot. » Read more: Mein “dolles Dorf”

Zwischenstand: … und nicht zurück auf Null

3. Februar 2010 No comments »

Im Januar fand nach dem Ende meiner Hilfspfarrzeit mein feierlicher Einführungsgottesdienst in der Kirchengemeinde statt, in der ich nun seit knapp drei Jahren Dienst tue. So viel Freundlichkeit, ehrliche Anteilnahme und Wertschätzung spürte ich an dem Tag, wie sie einem Pfarrer wohl nur selten gebündelt gesagt wird. Meine Predigt im Gottesdienst lesen Sie hier:  Liebe Gemeinde, einige von euch mögen sich gewundert haben, jetzt zu meinen Einführungsgottesdienst eingeladen zu werden. “Ja, was waren Sie denn vorher?” und ähnliche Fragen habe ich mehrfach gehört. “Sie sind doch schon Pfarrerin!” Ja, bin ich auch, seit meiner Ordination. Meine Lehrzeit war vorher das Vikariat, und ich bin schon seit fast drei Jahren hier eure Pfarrerin. Heute die Einführung zu feiern, hat formale Gründe, vergleichbar einer Beförderung. Aber natürlich: an einem solchen Tag schaue ich auch zurück auf das, was gewesen ist, und wie ich hierher gekommen bin und was meine Arbeit prägt.

Aus dem Vikariat hierher hat mich ein Satz begleitet, und er hat nie besser gepaßt als gerade heute. Ein Satz, den mir eine Freundin, selbst Pfarrerin, zu Beginn meines Vikariats sagte in Bezug auf meine Aufgabe als Liturgin im Gottesdienst. Sie sagte: Es geht nicht um dich. » Read more: Zwischenstand: … und nicht zurück auf Null

Besucher

12. Januar 2010 No comments »

Über´s Besuchen habe ich hier bereits geschrieben. Hier noch ein paar Slides dazu:

» Read more: Besucher

Schokolade gefällig?

No comments »

Nach den Feiertagen kann ich eigentlich keine Schokolade mehr sehen. Einzige Ausnahme ist „Chocolat“, der Film von Lasse Halström. Besonders nett finde ich die Szene, in der Père Henri in seiner Osterpredigt feststellt, dass es nicht darauf ankomme, wen wir als Gemeinde ausschließen, sondern wen wir bei uns aufnehmen. Seiner Meinung nach sollten wir Jesus vor allem in seiner Menschlichkeit folgen, in seiner Güte und Toleranz. Und Güte zeigt sich eben nicht in der Strenge, sondern in der Offenheit, vor allem der Offenheit gegenüber anderen Menschen.

So wünschen wir uns das auch für unsere Kirchengemeinde: offen gegenüber anderen, nicht abgrenzend, sondern integrierend. » Read more: Schokolade gefällig?