Der Herr ist auferstanden! „Er ist wahrhaftig auferstanden“, so die Antwort derer, die ebenfalls an Ostern glauben. Der Glaube an Ostern, an die Auferstehung des gekreuzigten, gestorbenen und begrabenen Jesus Christus, ist ein Urbestand christlicher Überlieferung. Alle Evangelien berichten darüber und über die wundersamen Ereignisse, die Jüngerbegegnungen, die Kraft Gottes, die sich an Ostern zeigt.
Der moderne Mensch fragt hingegen auch: Kann das wahr sein? Ist das wirklich so passiert? Die Frage nach der historischen Beweisbarkeit wird immer noch viel diskutiert, und in den Medien wird sie jedes Jahr zur Osterzeit wieder gestellt. Ist es wahr, was die Bibel berichtet – oder ein Mythos? Die Frage ist legitim. Beantwortbar ist sie nicht. Das Osterereignis entzieht sich unserer Faktengläubigkeit. Es ist nur verständlich als das Handeln Gottes, das weit über das hinausgeht, was wir kennen und zu verstehen bereit sind. Es ist ein Glaubensereignis, und so wollen es die Evangelien auch verstanden wissen. Und zum Glauben gehören selbst die Zweifel, die Anfechtung, der Kleinglaube und das Ärgernis hinzu. Ostern ist ein Ärgernis, weil es nicht in unsere Sicht der Welt passt. Darauf mit Zweifel zu reagieren, ist normal: sogar der Jünger Thomas zweifelt. Wir können an Ostern glauben – oder nicht. Die Evangelien muten den Gläubigen zu, Zweifel zu haben. Der Tod Jesu und seine Auferstehung ist ein Ereignis, das verschieden gedeutet werden kann. Es ist keine Tatsache, die keinen Zweifel zulässt.
Wie die Auferstehung genau von statten ging, berichten uns die Evangelien nicht. Gottes Kraft wirkt an Jesus im Verborgenen. Aber welche Wirkung die Auferstehung hat, davon erzählen sie uns viel. Die Visionen, Erscheinungen und Begegnungen mit dem Auferstandenen lassen eigentlich gar keinen anderen Schluss zu, als dass hier Gott selbst gehandelt hat: Der Gekreuzigte ist nicht im Tod geblieben, sondern wurde von Gott neu zum Leben aus Gottes Kraft gerufen.
Wenn wir den Evangelienberichten folgen, geht es nicht mehr um die Frage, was Ostern nun „tatsächlich“ geschehen ist, sondern welche Bedeutung wir Ostern in unserem Leben einräumen. Wenn Jesus der Auferstandene ist, und wir an ihn glauben – mit oder ohne Zweifel -, dann greift Gott auch in unser Leben ein. Dann gibt es die Auferstehung nicht nur für Jesus, sondern auch für uns. Dann trennt uns der Tod nicht mehr von Gott, dann siegt er nicht mehr über das Leben. Gott siegt über den Tod und ermöglicht neues Leben – und das nicht erst am Ende unseres Lebens, sondern jeden Tag neu. Auferstehen, Aufstehen geschieht mitten am Tag. Die Auferstehung Jesu ermöglicht uns vor allem ein menschlicheres, gerechteres, sinnvolleres Leben vor dem Tod. Die Bibel ist voll von Aufsteh-geschichten, in denen Kranke geheilt, Verzweifelte befreit und Mutlose aufgerichtet werden. Denken Sie nur an den Vater, der über die Rückkehr seines verlorenen Sohn jubelt: „Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden!“ (Lk 15,24+34). Bereits jetzt leben wir aus der Kraft Gottes, die unser Leben neu macht und uns neu macht. Woran man das sieht? An der Liebe, mit der wir unseren Mitmenschen begegnen. Gottes Kraft verändert uns, und sie macht uns fähig, selbst aufzustehen und uns als Gottes Geschöpfe anzunehmen und auch andere zu lieben und ihnen beim Aufstehen zu helfen.
Der Auferstandene nimmt uns in seinen Dienst und sendet uns zu denen, die Hilfe beim Aufstehen brauchen. Er sendet uns, die Botschaft von Ostern auszubreiten. Er lässt uns dabei nicht allein. Die Geschichte von Ostern ist keine angestaubte Erzählung. Sie ist Lebensgeschichte, Geschichte, die zum Leben führt, gestern, heute und morgen.
Auf(er)stehen
12. April 2009 von Geeske Leave a reply »
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