Kirchweih ohne Kirche – Zeltgedanken

1. Oktober 2009 von Geeske Leave a reply »

Meine Kirche ist alt, groß und schön und – zur Zeit in Bau. Seit drei Jahren wird immer wieder abschnittsweise saniert, und nun wird die Decke wird innen erneuert. Das ist unser letzter Bauabschnitt, und alle sind froh, wenn die Renovierung überstanden ist. Doch im September stand das Kirchweihfest an, und da die Kirche gesperrt ist, mußten wir ausweichen – ins Festzelt. Hier im Ort wird die “Kirb” groß gefeiert, und der sonntägliche Kirchgang gehört unbedingt dazu. Wie also nun in diesem Jahr einen Kirchweihgottesdienst ohne Kirche feiern? Nicht der naheliegendste Gedanke, ausgerechnet an dem Tag nicht in der Kirche feiern zu können. Aber es geht. Es geht, wenn man sich die Traditionen des Ortes und der Kirche als Traditionen verdeutlicht: als etwas Gebundenes, Altes, was Menschen vor uns so gemacht haben und was Menschen nach uns auch noch so machen werden. In der Kirche gibt es viel Tradition, und nicht wenig davon hängt mit der Kirche als Gebäude zusammen. Wo jedoch die Tradition nur der Tradition wegen gepflegt wird, und der Geist darin verblaßt, wird sie hohl und leer und starr. Das gilt auch für die Kirche: wo der Geist fehlt, der die Kirche lebendig macht, bleibt sie leer. Denn Kirche ist weniger ein Ort, sondern viel mehr eine Gemeinschaft von Menschen, eine Gemeinde, die Gemeinschaft miteinander und mit Gott erfahren will. Und das kann sie prinzipiell unabhängig von einer Kirche. Die Geschichte der Gemeinde Gottes zeigt sehr gut, wie sich feste Orte und Traditionen ablösen mit Zelt-Zeiten, wenn die Gemeinde unterwegs war. Das Volk Israel war unterwegs, sogar sehr lang. Die Propheten waren unterwegs, um Gottes Wort auszurichten. Jesus selbst war ein Wanderprediger, nicht gebunden an einen Ort, sondern an eine Botschaft. Und Paulus hat weite Reisen unternommen, um das Evangelium zu verkünden. Es geht nicht nur um feste Orte. Es geht vor allem um die Botschaft, die man auszurichten hat, und den Weg, den man dafür nimmt. Von Gott zu erzählen geht unterwegs sogar ziemlich gut. Der Weg ist das Ziel. Unterwegs sein tut der Kirche gut. Zeiten im Zelt führt sie wieder zu ihrer Botschaft zurück und lindert die Gefahr, sich nur noch mit Traditionen zu beschäftigen. Statische Elemente und dynamische Elemente müssen zusammen kommen, sich auch mal abwechseln, damit Kirche lebendig bleibt. Die Kirche ist groß geworden, weil ein ständiger Austausch bestand zwischen denen, die reisen und verkündigen, und denen, die bleiben und hören.
Daran hat sich um Grunde nicht viel geändert: es gehen auch heute noch Menschen los und erzählen, und gleichzeitig laden sie ein an den Ort Kirche, um sich dort in der Gemeinde zu treffen. Dazu braucht es Offenheit von beiden Seiten. Gott grenzt keinen aus – und Kirche sollte das auch nicht tun. Die Kirchentür ist keine Grenze, auch wenn sie zu ist. Gottes Türen sind ohnehin nie geschlossen. Niemand, der in eine Kirche hineingeht, sollte sich als Fremder oder Gast fühlen, sondern willkommen geheißen von Gott und der Gemeinde gleichermassen.
Eine Zeit im Zelt tut der Kirche ganz gut, sich nicht an Äußerlichkeiten festzuhalten, sondern auf das Wesentliche zurückzukommen: die Botschaft von der rettenden Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus begegnet. Gott hat der Kirche seinen Geist verheißen, der sie lebendig erhält. Er baut am Haus Kirche mit. Tun wir das unsere dazu, die Kirche zu erhalten, und verlassen uns auf ihn, dass er seine Kirche nicht verloren gibt, sondern immer wieder neu belebt.

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