Zukunft Konfirmanden

7. Januar 2010 von Geeske Leave a reply »

„Seid brennend im Geist“, gibt Paulus den Gemeinden mit auf ihren Weg. Seid mit vollem Herzen dabei, tretet leidenschaftlich für das Evangelium von Jesus Christus ein und verbreitet das Wort weiter: brennend, funkensprühend und ansteckend. Der Geist als ein Feuer, das in uns brennt, und uns anfacht zu einem Leben im Glauben an Jesus Christus. Wir  müssen uns zweitausend Jahre später immer neu besinnen, die Freude und Leidenschaft der ersten Christenheit über die brennende Flamme des Geistes in unseren Gemeinden spürbar zu machen, das Feuer nicht ausgehen zu lassen sondern aus seiner Energie heraus zu leben.
Eine lebendige, aktive, wachsende Gemeinde wünschen sich alle, Pfarrer wie Gemeindeglieder. Ein Ort, wo sich engagierte Menschen einbringen und gemeinsam das Evangelium feiern. Eine Gemeinde, die Raum für die verschiedensten Interessen und Begabungen bietet, in der jeder sich wohl fühlt und sich gern einbringt. Eine Gemeinschaft, die einander trägt und weiter wächst.
Im Gemeindealltag fällt es nicht unbedingt leicht, sich vom Feuer des Geistes immer wieder anstecken zu lassen. Es fehlt an vielem in den Gemeinden, gerade auch an der nachfolgenden Generation. Der Funke springt nicht immer über zu den Jugendlichen!
Eine Ursache mag in der Art des Umgangs der Gemeinde mit Jugendlichen liegen, die sich freiwillig kirchlich engagieren, nämlich mit den Konfirmanden. Sie nehmen ein Jahr oder mehr intensiv am Gemeindeleben teil und sind geradezu prädestiniert, engagierte Mitglieder und Mitarbeiter zu werden.
Für die Gemeinden sind Konfirmanden eine Selbstverständlichkeit. Ihre Konfirmandenzeit war früher eine Lehrzeit: erst mussten die Konfirmanden etwas lernen und leisten, ehe sie dann als erwachsene und verantwortliche Gemeindemitglieder angesehen wurden und mit der Konfirmation auch einen Schritt ins Leben der Erwachsenen hinein taten.
Sie passten sich den Strukturen der Kirchengemeinde an und hatten wenig Einfluss auf das Gemeindeleben. Sie wurden zu Hilfsdiensten herangezogen und haben Gemeindegruppen mehr von außen beobachtet als prägend daran mitgewirkt. Der Konfirmandenunterricht war isoliert von den anderen Aktivitäten der Gemeinde, und er war der einzige Ort an dem die Themen überhaupt vorkamen, die die Jugendlichen interessieren.
Das Resultat dieser Art von Konfirmandenzeit war häufig keine Begeisterung für das Gemeindeleben. Konfirmanden haben in der Gemeinde keinen Ort für sich gefunden, sie sprach sie nicht an, und die Gemeinde stellte nur Ansprüche an sie, ohne sich um die Jugendlichen zu bemühen. Relevant war für die Jugendlichen der Konfirmandenunterricht und das Gemeindeleben selten. So wurde die Konfirmation für die Konfirmanden ein Abschluss: die Anforderungen der Gemeinde endeten, und ebenso ihre Beschäftigung mit Kirche.
Konfirmanden passen sich nicht an, sie gehen und kehren der Kirchengemeinde den Rücken. Dabei sind doch genau sie es, die die Gemeinden in die Zukunft tragen werden und in denen der Geist sein Feuer entfachen will! Und gerade junge Menschen bringen neue, zündende Ideen ins Gemeindeleiben mit ein! Ohne sie und ihre Begeisterung für das Evangelium wird das Gemeindeleben weniger, und stirbt aus.
Seid brennend im Geist, mahnt Paulus die Gemeinden, und auch Kirchengemeinden heute müssen sich fragen, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen. Wo brennt unser Feuer heute, und wie tragen wir es weiter? Erreichen wir die, die die Zukunft unserer Kirchengemeinde sind? Und wenn wir das bislang nicht ausreichend tun: Wie können wir das ändern, wie können wir mehr tun? Wie können wir Menschen die Möglichkeit bieten, sich zu organisieren, und miteinander zu kommunizieren über Gott, die Welt und das Evangelium?
Ein entscheidender Ansatz ist es, die Konfirmanden dauerhaft in die Gemeinde zu integrieren. Das erfordert ein Umdenken auf Seiten der Gemeinde: am Anfang steht die Einsicht, dass Konfirmanden eine wichtige Stütze der Gemeinde sind. Ihr Lernen geschieht nicht isoliert und nur auf den Pfarrer bezogen, sondern als wichtiger Teil des Gemeindelebens und wird von allen mitgetragen. Sie sind wichtig für die Gemeinde als Personen und in ihrer Mitarbeit. Sie werden vermisst, wenn sie fehlen.
Die Konfirmanden sind für eine gewisse Zeit eine feste Gruppe in der Gemeinde. Sie sitzen in nahezu jedem Gottesdienst und nehmen an Aktivitäten teil. Ihr kreatives Potential kann sich in der Gemeinde viel besser entfalten, wenn sie aktiv mitarbeiten können, und wenn die Gemeinde ihnen mit Wertschätzung und Respekt begegnet. Der missionarische Auftrag jeder Kirchengemeinde, das Evangelium weiter zu verkündigen, gilt auch den Konfirmanden. Die Relevanz des Evangeliums ist universal. Die Art und Weise, wie es die Menschen erreicht, ist unterschiedlich. Wenn die Angebote einer Kirchengemeinde für Konfirmanden relevant sind, bekommt die Gemeinde einen Platz im Leben der Konfirmanden, und das bereichert umgekehrt auch das Gemeindeleben. Dann findet ein echter Austausch in der Gemeinde statt.
In jedes Element des Gemeindelebens werden deshalb Konfirmanden mit eingeplant, um ihnen die Wichtigkeit ihrer Person und ihres Tuns zu verdeutlichen und sie tatsächlich einzubinden. Die Gemeinde schafft so die Rahmenbedingungen für die Konfirmanden und ihre Mitarbeit. Und durch diese Mitarbeit lernen sie in ihrer Konfirmandenzeit ganz praktisch und anschaulich in der Gemeinde, was es mit dem Evangelium auf sich hat. Konfirmanden tragen so das Gemeindeleben mit und gestalten es.
Es sind im Besonderen zwei Vorraussetzungen für diese Art von integrierter Konfirmandenarbeit, die die Gemeinde schaffen muss und die ihr Verhältnis und den Umgang mit den Konfirmanden prägt: Respekt und die Übergabe von Verantwortung.
Respekt ist eine für Jugendliche enorm wichtige Angelegenheit. Erwachsenwerden ist bestimmt von dem Bemühen, als erwachsen wahrgenommen und respektiert zu werden. Unter Christen ist Respekt vor dem anderen eigentlich selbstverständlich, unabhängig vom Alter. Respekt ist die praktische Anwendung der Überzeugung, dass alle Menschen von Gott angenommen und geliebt sind, und dass in einer Gemeinde jeder gleich viel gilt.
Wenn die Konfirmanden in der Gemeinde Verantwortung übernehmen, so lernen sie, dass sie wichtig sind und dass das, was sie tun wichtig ist und Konsequenzen für das ganze Gemeindeleben hat. Sie können beispielsweise leicht in bestehende Gemeindegruppen integriert werden und dort Verantwortung für das Funktionieren der Gruppe übernehmen. In der Vorbereitung der Gruppenaktivitäten setzen sie sich automatisch mit christlichen Themen auseinander und erarbeiten diese ganz intensiv und praktisch.
Zum Beispiel können Konfirmanden im Kindergottesdienstteam mitarbeiten. Kindergottesdienst ist mindestens ebenso wichtig für das Gemeindeleben wie der Sonntagsgottesdienst für Erwachsene, und er macht mehr Spaß. Für Kinder Gottesdienste vorzubereiten, erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema und die Anpassung für Kinder, durch die Elementarisierung der Inhalte. Das lernen Konfirmanden im Team nebenbei. Außerdem lernen sie auch andere Gottesdienstformen kennen, und das nicht nur als Teilnehmer, sondern als Verantwortliche. Konfirmanden können hier gut schon während ihrer Konfirmandenzeit mitarbeiten, und nicht erst, wie es vielerorts üblich ist, nach der Konfirmation.
Ein weiteres Beispiel für die verantwortungsvolle Mitarbeit von Konfirmanden am Gottesdienst ist das Läuten der Glocken.  Sie werden mit dem Gottesdienst, seinem Ablauf und der Bedeutung des Läutens viel vertrauter und übernehmen eine zentrale Aufgabe, die auch eine Wirkung nach außen hin hat: die Glocken hören auch Menschen, die nicht zum Gottesdienst kommen. Gleichzeitig setzen die Konfirmanden sich mit elementaren Fragen des Gottesdienstes auseinander und reflektieren diese.
Das sind nur zwei Beispiele für wichtige Aufgaben, die sich im Gemeindeleben ergeben und die gut von Konfirmanden übernommen werden können. Wenn Konfirmanden diese Aufgaben wahrnehmen, demonstriert das ihre Bedeutung für das Gemeindeleben. Und ein Konfirmand, dem seine Aufgabe Spaß gemacht hat und die ihm etwas gegeben hat, wird sich nach der Konfirmation überlegen, ob er damit nicht weitermachen möchte. Mit der Konfirmation sind die Jugendlichen fähig, mehr und größere Aufgaben zu übernehmen, denn sie haben sich an ihre verantwortliche Mitarbeit in der Gemeinde gewöhnt. Dann ist die Mitarbeit in der Gemeinde für die Jugendlichen relevant geworden.
Die Aktivitäten in der Gemeinde werden durch den Konfirmandenunterricht ergänzt. Zum Konfirmandenunterricht trifft sich die Gruppe wöchentlich mit dem Pfarrer, um gemeinsame Themen zu besprechen und aus den Gruppenaktivitäten zu berichten. Hier ist Raum, Themen, Fragen und Probleme zu besprechen, die den Konfirmanden im Gemeindeleben aufgefallen sind. Auch die fünf Hauptstücke des Glaubenswerden hier besprochen, denn sie begegnen den Konfirmanden im Gemeindeleben. Dieser praktische Zugang erleichtert das Lernen, wenn die Hauptstücke des Glaubens ohnehin fest im Gemeindeleben verankert sind und die Konfirmanden nicht nur die Texte theoretisch lernen, sondern auch gleich in ihrer Funktion kennen lernen. Elementarer Bestandteil des Unterrichts sind Konfirmandenfreizeiten. Hier wird das Gemeindeleben in seinen einzelnen Gruppen reflektiert und aufgearbeitet sowie eigene Visionen von Gemeinde mithilfe von Workshops erarbeitet.
Die Gemeinde lebt von diesen Ideen. Aus der Perspektive der Konfirmanden haben sie direkt und unmittelbar die Möglichkeit, ihre Ideen in der Gemeinde zu verwirklichen, sie können sich einbringen und das Gemeindeleben beeinflussen. Das ist eine Art von empathischer Einbindung in die Gemeinde, die im konventionellen Konfirmandenunterricht nicht möglich ist.
Die Konfirmanden werden nicht nur gehört und ihre Ideen wahrgenommen, sondern sie selbst sind diejenigen, die sie umsetzen und Verantwortung für die Zukunft der Gemeinde übernehmen.
Die Konfirmanden sind der Schlüssel zur Zukunft der Gemeinde: durch sie kann die Gemeinde reanimiert werden.

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2 Responses

  1. Rainer Schomburg sagt:

    Liebe Geeske,
    für die Pfarrkonferenz würde ich mir wünschen, das wir vor allem den Aspekt der Beispiele ausführlich besprechen. Welche Aktionen sind lohnenswert? Ein KU Praktikum machen wir bereits, in dem die Konfis in die Arbeitsbereiche hineinschuppern. Das läuft aber arallel und eigenverantwortlich. Besonders interessant fand ich deshalb die These, dass die KU Stunden der Vor- Nachbereitung der Aktionen dienen und nicht (mehr) der Stoffvermittlung. Das sollten wir genauer besprechen.
    Ansonsten freue ich mich auf das Thema.
    Liebe Grüße
    Rainer

  2. Claudia Rudolff sagt:

    Liebe Frau Ballhorn, mir gefällt gut, dass sie den doppelten Perspektivwechsel entfalten, der dazu anregt, die Konfirmand/innen ernst zu nehmen und das Potential zu entdecken, das sie in die Gemeinde einbringen können. Die Idee, sie in Gemeindegruppen zu integrieren, fionde ich auch gut. In manchen Gemeinden wird das durch Gemeindeparktika auch gemacht. Nehmen die Konfirmand/innen die ganze Zeit z.B. am Kindergottesdienstteam teil oder ist ihre Mitarbeit auf ein paar Wochen beschränkt?
    Da die Konfirmandenstudie gezeigt hat, wie wichtig es ist, Konfis am Gottesdinst zu beteiligen, bieten wir auf Pfarrkonferenzen einen Workshop an, wie Konfis im Gottesdinst an vielen Stellen der Liturgie beteiligt werden können und wie dies im Unterricht erarbeitet wird. Vielleicht dazu mal mehr. Herzlichen Glückwunsch zum Konzept, und ich hoffe, es stößt auf der Pfarrkonferenz auf großes Interesse und findet Nachahmer/innen. Viele Grüße Claudia Rudolff

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