Mein “dolles Dorf”

16. Februar 2010 von Geeske Leave a reply »

Anruf des Bürgermeisters am Donnerstag abend, 20.38, mitten in der Chorprobe, auf meinem Handy: „Wir sind als dolles Dorf im hr-Fernsehen gezogen worden! Wir treffen uns heute abend noch mit dem hr-Team zur Besprechung im Rathaus. Kommen Sie?“ Natürlich komme ich. Wenn das Dorf vorgestellt wird, darf die Kirche nicht fehlen, und damit ich als Pfarrerin auch nicht. Im Rathaus ab 22.00 Uhr: eine fröhliche große Runde von neugierigen Menschen, die ihren Verein oder Aktivität gern präsentieren möchten und Teil sein wollen im Fernsehbeitrag. Das Fernsehteam wird begeistert und mit Tusch empfangen, und dann wird besprochen, wie der Ort am besten präsentiert werden kann, was hier typisch ist und wie was wann gedreht werden kann. Die Kirche steht nur auf der Liste des Bürgermeisters weit oben, für das Fernsehteam ist sie zunächst kein hotspot. Ich sehe mich im Raum um: drei Kirchenvorsteher und Kirchenvorsteherinnen sind hier, ein Paar sitzt dort, das ich in der Kirche getraut habe, Vereinsmitglieder des Gesangvereins sind da, der in der Kirche bei besonderen Gelegenheiten singt, ebenso der halbe Musikverein, der zuletzt bei meinem Einführungsgottesdienst in der Kirche gespielt hat, der Bürgermeister selbst ist oft in der Kirche, wenn seine knappe Zeit es erlaubt, und für den Vater meines Platznachbarn haben wir erst vor kurzem den Trauergottesdienst in der Kirche gefeiert. Dort sitzt jemand, dessen Sohn ich getauft habe, und einige Plätze weiter die Mutter einer Konfirmandin. Zu fast jedem in der Runde fallen mir Kontakte zur Kirche ein, traurige und fröhliche, aber fast immer zu bedeutenden Ereignissen in ihrem Leben, und viele sehe ich sonntags regelmäßig im Gottesdienst. An Weihnachten, Ostern, Konfirmation und Kirchweih sitzt ohnehin das halbe Dorf in der Kirche im Gottesdienst.
Ich erkläre das dem hr-Team und mache deutlich, wie selbstverständlich in unserem Ort der Kontakt zur Kirche ist und dass die Kirche zum Dorfleben dazugehört. Viele in der Runde nicken unterstützend, und so ist die Kirche im Drehplan dabei.
Am nächsten Tag wird gedreht: der Gesangverein singt in der Kirche, ich erkläre einiges zur wechselvollen Geschichte und zum Leben der Kirche, und vor der Kirche wird der Auszug eines Hochzeitspaares mit Spalier und Böllerschüssen „nachgefeiert“. Im Film sind diese Sequenzen natürlich kurz, und meine Erklärungen zur Kirche auf wenige Sätze zusammen geschnitten. Dennoch: Kirche ist vor Ort, sie ist präsent, und sie bleibt wichtig. Sie gehört zum Leben dazu. Mehr noch: ein wichtiger Teil des Dorflebens findet in ihr statt. So soll das sein: Kirche ist für die Menschen da, nicht umgekehrt. Danke, liebes Fernsehteam, für den schönen und unterhaltsamen Beitrag über unser „dolles Dorf“! Ihr habt ein Stück Heimat im Spessart selbst erlebt und anderen gezeigt.

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