Archive for the ‘Gemeinde’ Category

Mein “dolles Dorf”

Februar 16th, 2010

Anruf des Bürgermeisters am Donnerstag abend, 20.38, mitten in der Chorprobe, auf meinem Handy: „Wir sind als dolles Dorf im hr-Fernsehen gezogen worden! Wir treffen uns heute abend noch mit dem hr-Team zur Besprechung im Rathaus. Kommen Sie?“ Natürlich komme ich. Wenn das Dorf vorgestellt wird, darf die Kirche nicht fehlen, und damit ich als Pfarrerin auch nicht. Im Rathaus ab 22.00 Uhr: eine fröhliche große Runde von neugierigen Menschen, die ihren Verein oder Aktivität gern präsentieren möchten und Teil sein wollen im Fernsehbeitrag. Das Fernsehteam wird begeistert und mit Tusch empfangen, und dann wird besprochen, wie der Ort am besten präsentiert werden kann, was hier typisch ist und wie was wann gedreht werden kann. Die Kirche steht nur auf der Liste des Bürgermeisters weit oben, für das Fernsehteam ist sie zunächst kein hotspot. » More: Mein “dolles Dorf”

Zwischenstand: … und nicht zurück auf Null

Februar 3rd, 2010

Im Januar fand nach dem Ende meiner Hilfspfarrzeit mein feierlicher Einführungsgottesdienst in der Kirchengemeinde statt, in der ich nun seit knapp drei Jahren Dienst tue. So viel Freundlichkeit, ehrliche Anteilnahme und Wertschätzung spürte ich an dem Tag, wie sie einem Pfarrer wohl nur selten gebündelt gesagt wird. Meine Predigt im Gottesdienst lesen Sie hier:  Liebe Gemeinde, einige von euch mögen sich gewundert haben, jetzt zu meinen Einführungsgottesdienst eingeladen zu werden. “Ja, was waren Sie denn vorher?” und ähnliche Fragen habe ich mehrfach gehört. “Sie sind doch schon Pfarrerin!” Ja, bin ich auch, seit meiner Ordination. Meine Lehrzeit war vorher das Vikariat, und ich bin schon seit fast drei Jahren hier eure Pfarrerin. Heute die Einführung zu feiern, hat formale Gründe, vergleichbar einer Beförderung. Aber natürlich: an einem solchen Tag schaue ich auch zurück auf das, was gewesen ist, und wie ich hierher gekommen bin und was meine Arbeit prägt.

Aus dem Vikariat hierher hat mich ein Satz begleitet, und er hat nie besser gepaßt als gerade heute. Ein Satz, den mir eine Freundin, selbst Pfarrerin, zu Beginn meines Vikariats sagte in Bezug auf meine Aufgabe als Liturgin im Gottesdienst. Sie sagte: Es geht nicht um dich. » More: Zwischenstand: … und nicht zurück auf Null

Besucher

Januar 12th, 2010

Über´s Besuchen habe ich hier bereits geschrieben. Hier noch ein paar Slides dazu:

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Schokolade gefällig?

Januar 12th, 2010

Nach den Feiertagen kann ich eigentlich keine Schokolade mehr sehen. Einzige Ausnahme ist „Chocolat“, der Film von Lasse Halström. Besonders nett finde ich die Szene, in der Père Henri in seiner Osterpredigt feststellt, dass es nicht darauf ankomme, wen wir als Gemeinde ausschließen, sondern wen wir bei uns aufnehmen. Seiner Meinung nach sollten wir Jesus vor allem in seiner Menschlichkeit folgen, in seiner Güte und Toleranz. Und Güte zeigt sich eben nicht in der Strenge, sondern in der Offenheit, vor allem der Offenheit gegenüber anderen Menschen.

So wünschen wir uns das auch für unsere Kirchengemeinde: offen gegenüber anderen, nicht abgrenzend, sondern integrierend. » More: Schokolade gefällig?

Zukunft Konfirmanden

Januar 7th, 2010

„Seid brennend im Geist“, gibt Paulus den Gemeinden mit auf ihren Weg. Seid mit vollem Herzen dabei, tretet leidenschaftlich für das Evangelium von Jesus Christus ein und verbreitet das Wort weiter: brennend, funkensprühend und ansteckend. Der Geist als ein Feuer, das in uns brennt, und uns anfacht zu einem Leben im Glauben an Jesus Christus. Wir  müssen uns zweitausend Jahre später immer neu besinnen, die Freude und Leidenschaft der ersten Christenheit über die brennende Flamme des Geistes in unseren Gemeinden spürbar zu machen, das Feuer nicht ausgehen zu lassen sondern aus seiner Energie heraus zu leben.
Eine lebendige, aktive, wachsende Gemeinde wünschen sich alle, Pfarrer wie Gemeindeglieder. Ein Ort, wo sich engagierte Menschen einbringen und gemeinsam das Evangelium feiern. Eine Gemeinde, die Raum für die verschiedensten Interessen und Begabungen bietet, in der jeder sich wohl fühlt und sich gern einbringt. Eine Gemeinschaft, die einander trägt und weiter wächst.
Im Gemeindealltag fällt es nicht unbedingt leicht, sich vom Feuer des Geistes immer wieder anstecken zu lassen. Es fehlt an vielem in den Gemeinden, gerade auch an der nachfolgenden Generation. Der Funke springt nicht immer über zu den Jugendlichen!
Eine Ursache mag in der Art des Umgangs der Gemeinde mit Jugendlichen liegen, die sich freiwillig kirchlich engagieren, nämlich mit den Konfirmanden. Sie nehmen ein Jahr oder mehr intensiv am Gemeindeleben teil und sind geradezu prädestiniert, engagierte Mitglieder und Mitarbeiter zu werden. » More: Zukunft Konfirmanden

Erfolgsmodell Besuche

Dezember 3rd, 2009

Besuche haben einen festen Platz im meinem Terminkalender. Sie sind darin verankert zu hohen runden Geburtstagen oder Hochzeitsjubiläen, seit neuestem auch zu 18. Geburtstagen, und natürlich nach Bedarf. Und es müssten noch viel mehr sein! Denn Besuche können weit mehr als eine Gratulation zu freudigen Anlässen oder eine seelsorgerliche Unterstützung in schwierigen Zeiten sein. Besuche sind auch eine Form der Verkündigung, und das ist schließlich der erste Auftrag einer Kirchengemeinde. Dadurch gewinnen sie eine hohe Bedeutung für den Gemeindeaufbau.

Denn was ist das größte aktuelle Problem von Kirchengemeinde? Es ist der Mitgliederschwund. Wir können uns wohl kaum damit zufrieden geben, dass die Mitgliederzahlen bestenfalls stagnieren. Schließlich haben wir das beste Angebot für die Menschen überhaupt, und trotzdem konkurrieren wir mit den Ablenkungen unserer Zeit, Werbung, Konsum und andere Nichtigkeiten. » More: Erfolgsmodell Besuche

Kirchenvorstand – Verwaltung des Mangels?

Oktober 25th, 2009

Ein ganz normaler Abend im Kirchenvorstand. Eine Runde netter Menschen, denen die Kirche und die Menschen vor Ort so sehr am Herzen liegt, dass sie ihre Freizeit mit ehrenamtlicher Arbeit für die Kirche füllen. Doch leider – viel zu oft keine fröhliche, positive, der Zukunft zugewandte Runde. Denn auf der Tagesordnung findet sich Unangenehmes: Bausachen, Verwaltung, das liebe Geld. Es wird überall weniger und knapper, ist der Eindruck der hängen bleibt. Der Kirchenvorstand beschäftigt sich mehr mit Verwaltungsaufgaben, als ihm gut tut. Die geistlichen Leitungsaufgaben, die der Kirchenvorstand ja auch hat, kommen viel zu oft zu kurz. Immer häufiger stellen sich die Fragen im Kirchenvorstand: Worum geht es uns eigentlich noch? Verlieren wir uns nicht zu sehr in Verwaltungsfragen? Haben wir nicht schon verloren, angesichts knapper werdender Ressourcen überall? Glauben wir noch an den Sinn unserer Arbeit? » More: Kirchenvorstand – Verwaltung des Mangels?

Kirchweih ohne Kirche – Zeltgedanken

Oktober 1st, 2009

Meine Kirche ist alt, groß und schön und – zur Zeit in Bau. Seit drei Jahren wird immer wieder abschnittsweise saniert, und nun wird die Decke wird innen erneuert. Das ist unser letzter Bauabschnitt, und alle sind froh, wenn die Renovierung überstanden ist. Doch im September stand das Kirchweihfest an, und da die Kirche gesperrt ist, mußten wir ausweichen – ins Festzelt. Hier im Ort wird die “Kirb” groß gefeiert, und der sonntägliche Kirchgang gehört unbedingt dazu. Wie also nun in diesem Jahr einen Kirchweihgottesdienst ohne Kirche feiern? Nicht der naheliegendste Gedanke, ausgerechnet an dem Tag nicht in der Kirche feiern zu können. Aber es geht. Es geht, wenn man sich die Traditionen des Ortes und der Kirche als Traditionen verdeutlicht: » More: Kirchweih ohne Kirche – Zeltgedanken

Wohin nach dem Tod: Friedhof oder Ruheforst?

August 8th, 2009

Es ist ein sensibles und nicht angenehmes Thema, und doch will es bedacht werden: Im stillen Kämmerlein, besprochen zwischen Ehepartnern, in Familien oder testamentarisch festgelegt: wenn ich mal sterbe, wo möchte ich begraben werden? Diese wichtige Frage jedoch gibt noch nicht allein den Ausschlag. Weitere praktische Fragen wollen beantwortet werden: Möchte ich eine Trauerfeier in einer Kirche, sofern ich überhaupt Kirchenmitglied bin? Wer wird mich wohl beerdigen, der Pfarrer / die Pfarrerin, oder ein freier Redner, oder doch in aller Stille ohne weitere Personen? Und wer wird mein Grab pflegen und es besuchen (und an mich denken)? Wenn die Familie nicht am Ort lebt, fällt die Entscheidung leicht, dem Praktischen den Vorrang zu geben und den Ruheforst zu wählen, wo die Grabpflege entfällt. » More: Wohin nach dem Tod: Friedhof oder Ruheforst?

Members only: Kirchliche Beerdigung von Ausgetretenen

August 8th, 2009

Vielfältige Gründe sind es, die einen Menschen veranlassen aus der Kirche auszutreten. Vor allem finanzielle Gründe: Ein häufiger Rat des Steuerberaters ist: Treten Sie aus der Kirche aus. Hinzu kommen meist noch eine gefühlte Distanz zur Kirche vor Ort und die Haltung, der eigene Glauben sei ohnehin Privatsache und bedürfe keiner öffentlichen Gemeinschaft wie sie beispielsweise im Sonntagsgottesdienst gefeiert wird. Dass jemand austritt, weil er sich über einen bestimmten Pfarrer oder einen besonderen Vorgang in der Kirche geärgert hat, oder weil er ernste Glaubenszweifel hat, kommt seltener vor. Welche Gründe auch immer dazu führen: der Gang zum Amtsgericht ist schnell erledigt, und die Kirchengemeinde vor Ort erfährt erst von dem vollzogenen Austritt. » More: Members only: Kirchliche Beerdigung von Ausgetretenen