Am Erntedankfest feiern wir das Leben, das Gott uns schenkt, in seiner ganzen Fülle. Wir nehmen mit den Erntegaben wieder bewußter wahr, was gewachsen und schön geworden ist, und auch, was in diesem Jahr vielleicht verkümmert ist oder zuwenig Pflege hatte. In den Kirchen werden die Altäre reich geschmückt: Gemüse und Obst, Blumen und Getreide werden präsentiert als ein schönes Zusammenspiel der Schöpfungsgaben Gottes an uns. Die Dankbarkeit dafür drückt sich auch in der Sorge um unseren Nächsten aus. Brot für die Welt! fordern wir auch an diesem Tag wieder. Der Predigttext aus Jesaja 58 gibt einige ganz klare Hinweise. Die Sorge für das Brot des Nächsten muß als Christen für uns einfach dazugehören als Sorge um das leibliche Wohl des anderen. Dazu kommt aber auch die Sorge um das seelische und geistliche Wohl des Anderen: Jesaja sagt uns ganz klar, was auch die Zehn Gebote anmahnen und Jesus zu vielen Gelegenheiten sagt: „Wenn du in deiner Mitte niemanden unterjochst, nicht mit dem Finger zeigst und nicht übel über einen anderen redest…“, dann wird es nicht nur deinem Nächsten, sondern auch dir gut gehen. Die Dankbarkeit, die wir empfinden, wenn uns bewusst wird wie gut es uns geht, die drückt sich auch darin aus, wie wir miteinander umgehen. Dankbarkeit, Freundlichkeit, Versöhnungsbereitschaft und der gemeinsame Blick nach vorn baut auf, baut Gemeinde auf. Davon profitieren nicht nur andere, sondern auch wir selbst, denn über einen anderen Schlechtes zu reden, ihn mies zu machen, das fällt auf uns selbst zurück und zerstört auch in uns die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit, die sich in Taten und in Worten ausdrückt, ist das beste Heilmittel gegen die Überforderung und den Frust, und sie verhilft uns zu einem schärferen Blick für das Wohl des Anderen und zu einem gelasseneren Umgang mit uns selbst.
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Klarstellung zum Bericht der GNZ am 14.8.2010
August 14th, 2010
Im Artikel der Gelnhäuser Neue Zeitung vom 14.8.2010 “Widerstand gegen die Plände des Bischofs” zu der anstehenden Pfarrstellenanpassung wird eine aktuelle Kontroverse in der Gemeinde beschrieben. Leider ist der Artikel in einigen Punkten nicht ganz präzise und mit zum Teil irreführenden Interpretationen versehen. So finde ich, dass die klare und überaus begrüßenswerte Position des Bischofs, Kirche im ländlichen Raum präsent zu halten, dabei aber gleichzeitig den wirtschaftlich notwendigen Einsparungsvorgaben zu entsprechen, wie die Quadratur des Kreises erscheint. Das ist für alle Beteiligten äußerst schwer umzusetzen. Ich kenne kein Modell, das diese beiden Positionen gleichwertig miteinander vereint. Diesen beiden widerstrebenden Poeln gerecht zu werden und ein zukunftsfähiges Modell zu erarbeiten verlangt von allen Beteiligten ein Höchstmaß an Anstrengung, Kreativität und Feingefühl.
Mein “dolles Dorf”
Februar 16th, 2010Anruf des Bürgermeisters am Donnerstag abend, 20.38, mitten in der Chorprobe, auf meinem Handy: „Wir sind als dolles Dorf im hr-Fernsehen gezogen worden! Wir treffen uns heute abend noch mit dem hr-Team zur Besprechung im Rathaus. Kommen Sie?“ Natürlich komme ich. Wenn das Dorf vorgestellt wird, darf die Kirche nicht fehlen, und damit ich als Pfarrerin auch nicht. Im Rathaus ab 22.00 Uhr: eine fröhliche große Runde von neugierigen Menschen, die ihren Verein oder Aktivität gern präsentieren möchten und Teil sein wollen im Fernsehbeitrag. Das Fernsehteam wird begeistert und mit Tusch empfangen, und dann wird besprochen, wie der Ort am besten präsentiert werden kann, was hier typisch ist und wie was wann gedreht werden kann. Die Kirche steht nur auf der Liste des Bürgermeisters weit oben, für das Fernsehteam ist sie zunächst kein hotspot. » More: Mein “dolles Dorf”
Zukunft Konfirmanden
Januar 7th, 2010„Seid brennend im Geist“, gibt Paulus den Gemeinden mit auf ihren Weg. Seid mit vollem Herzen dabei, tretet leidenschaftlich für das Evangelium von Jesus Christus ein und verbreitet das Wort weiter: brennend, funkensprühend und ansteckend. Der Geist als ein Feuer, das in uns brennt, und uns anfacht zu einem Leben im Glauben an Jesus Christus. Wir müssen uns zweitausend Jahre später immer neu besinnen, die Freude und Leidenschaft der ersten Christenheit über die brennende Flamme des Geistes in unseren Gemeinden spürbar zu machen, das Feuer nicht ausgehen zu lassen sondern aus seiner Energie heraus zu leben.
Eine lebendige, aktive, wachsende Gemeinde wünschen sich alle, Pfarrer wie Gemeindeglieder. Ein Ort, wo sich engagierte Menschen einbringen und gemeinsam das Evangelium feiern. Eine Gemeinde, die Raum für die verschiedensten Interessen und Begabungen bietet, in der jeder sich wohl fühlt und sich gern einbringt. Eine Gemeinschaft, die einander trägt und weiter wächst.
Im Gemeindealltag fällt es nicht unbedingt leicht, sich vom Feuer des Geistes immer wieder anstecken zu lassen. Es fehlt an vielem in den Gemeinden, gerade auch an der nachfolgenden Generation. Der Funke springt nicht immer über zu den Jugendlichen!
Eine Ursache mag in der Art des Umgangs der Gemeinde mit Jugendlichen liegen, die sich freiwillig kirchlich engagieren, nämlich mit den Konfirmanden. Sie nehmen ein Jahr oder mehr intensiv am Gemeindeleben teil und sind geradezu prädestiniert, engagierte Mitglieder und Mitarbeiter zu werden. » More: Zukunft Konfirmanden
Kirchweih ohne Kirche – Zeltgedanken
Oktober 1st, 2009Meine Kirche ist alt, groß und schön und – zur Zeit in Bau. Seit drei Jahren wird immer wieder abschnittsweise saniert, und nun wird die Decke wird innen erneuert. Das ist unser letzter Bauabschnitt, und alle sind froh, wenn die Renovierung überstanden ist. Doch im September stand das Kirchweihfest an, und da die Kirche gesperrt ist, mußten wir ausweichen – ins Festzelt. Hier im Ort wird die “Kirb” groß gefeiert, und der sonntägliche Kirchgang gehört unbedingt dazu. Wie also nun in diesem Jahr einen Kirchweihgottesdienst ohne Kirche feiern? Nicht der naheliegendste Gedanke, ausgerechnet an dem Tag nicht in der Kirche feiern zu können. Aber es geht. Es geht, wenn man sich die Traditionen des Ortes und der Kirche als Traditionen verdeutlicht: » More: Kirchweih ohne Kirche – Zeltgedanken
Mehr Theologie im Pfarramt!
August 26th, 2009Ein nettes kleines Büchlein, was Christian Grethlein mit seinem neuen Band „Pfarrer – ein theologischer Beruf!“ (Frankfurt am Main, 2009) zusammengestellt hat, und das Ausrufezeichen hinter dem Titel deutet schon an, dass sein Anliegen ein eindeutiges ist und zu etwas aufruft. Das Pfarramt braucht mehr Wissenschaft, der Pfarrer und die Pfarrerin mehr theologische Rückbindung in seinem bzw. ihrem Alltagsgeschäft.
Grethleins Ausgangspunkt ist hingegen weniger die von Pfarrerinnen und Pfarrern oft als tiefer Graben empfundene Differenz von akademischer Theologie und pfarramtlichen Alltag (auch wenn dieser Punkt ihm ständig präsent ist und an verschiedenen Stellen immer wieder genannt wird), sondern die Reformprozesse in Kirche und an Universitäten, die beide noch weiter auseinanderdriften lassen. Im ersten Kapitel ist der Titel des Buches noch mit einem Fragezeichen versehen: „Pfarrer – ein theologischer Beruf?“. » More: Mehr Theologie im Pfarramt!