Posts Tagged ‘Nächstenliebe’

Dankbarkeit an Leib und Seele

September 29th, 2011

Am Erntedankfest feiern wir das Leben, das Gott uns schenkt, in seiner ganzen Fülle. Wir nehmen mit den Erntegaben wieder bewußter wahr, was gewachsen und schön geworden ist, und auch, was in diesem Jahr vielleicht verkümmert ist oder zuwenig Pflege hatte. In den Kirchen werden die Altäre reich geschmückt: Gemüse und Obst, Blumen und Getreide werden präsentiert als ein schönes Zusammenspiel der Schöpfungsgaben Gottes an uns. Die Dankbarkeit dafür drückt sich auch in der Sorge um unseren Nächsten aus. Brot für die Welt! fordern wir auch an diesem Tag wieder. Der Predigttext aus Jesaja 58 gibt einige ganz klare Hinweise. Die Sorge für das Brot des Nächsten muß als Christen für uns einfach dazugehören als Sorge um das leibliche Wohl des anderen. Dazu kommt aber auch die Sorge um das seelische und geistliche Wohl des Anderen: Jesaja sagt uns ganz klar, was auch die Zehn Gebote anmahnen und Jesus zu vielen Gelegenheiten sagt: „Wenn du in deiner Mitte niemanden unterjochst, nicht mit dem Finger zeigst und nicht übel über einen anderen redest…“, dann wird es nicht nur deinem Nächsten, sondern auch dir gut gehen. Die Dankbarkeit, die wir empfinden, wenn uns bewusst wird wie gut es uns geht, die drückt sich auch darin aus, wie wir miteinander umgehen. Dankbarkeit, Freundlichkeit, Versöhnungsbereitschaft und der gemeinsame Blick nach vorn baut auf, baut Gemeinde auf. Davon profitieren nicht nur andere, sondern auch wir selbst, denn über einen anderen Schlechtes zu reden, ihn mies zu machen, das fällt auf uns selbst zurück und zerstört auch in uns die Dankbarkeit. Die Dankbarkeit, die sich in Taten und in Worten ausdrückt, ist das beste Heilmittel gegen die Überforderung und den Frust, und sie verhilft uns zu einem schärferen Blick für das Wohl des Anderen und zu einem gelasseneren Umgang mit uns selbst.

Krieg und Frieden – Predigt am 11. September

September 9th, 2011

Liebe Gemeinde,
die Bilder des 11. September 2001 werden uns in diesen Tagen wieder vor Augen geführt: die brennenden Türme, der zerstörte Flügel des Pentagon, die 4. Maschine zerschellt auf einem Acker. Menschen in den dunkelsten Stunden ihres Lebens, manche auch in den letzten Stunden ihres Lebens. Die Unausweichlichkeit ihres Sterbens ist immer noch ein Horror, und die Brutalität und bodenlose Verachtung des Lebens, mit dem die Verantwortlichen der Terroranschläge Tausende in den Tod trieben, ist unfassbar.
Wer immer daran gezweifelt hat, dass das Böse in der Welt sehr präsent ist, ist eines bitteren Besseres belehrt worden. Und das Böse hörte nach den Anschlägen nicht auf, sondern wandelte sich. Wegen des 11. September wurde Kriege geführt, zahllose Leben vernichtet. Ist diese Welt dadurch besser geworden? Ich glaube nicht. » More: Krieg und Frieden – Predigt am 11. September

Zwischenstand: … und nicht zurück auf Null

Februar 3rd, 2010

Im Januar fand nach dem Ende meiner Hilfspfarrzeit mein feierlicher Einführungsgottesdienst in der Kirchengemeinde statt, in der ich nun seit knapp drei Jahren Dienst tue. So viel Freundlichkeit, ehrliche Anteilnahme und Wertschätzung spürte ich an dem Tag, wie sie einem Pfarrer wohl nur selten gebündelt gesagt wird. Meine Predigt im Gottesdienst lesen Sie hier:  Liebe Gemeinde, einige von euch mögen sich gewundert haben, jetzt zu meinen Einführungsgottesdienst eingeladen zu werden. “Ja, was waren Sie denn vorher?” und ähnliche Fragen habe ich mehrfach gehört. “Sie sind doch schon Pfarrerin!” Ja, bin ich auch, seit meiner Ordination. Meine Lehrzeit war vorher das Vikariat, und ich bin schon seit fast drei Jahren hier eure Pfarrerin. Heute die Einführung zu feiern, hat formale Gründe, vergleichbar einer Beförderung. Aber natürlich: an einem solchen Tag schaue ich auch zurück auf das, was gewesen ist, und wie ich hierher gekommen bin und was meine Arbeit prägt.

Aus dem Vikariat hierher hat mich ein Satz begleitet, und er hat nie besser gepaßt als gerade heute. Ein Satz, den mir eine Freundin, selbst Pfarrerin, zu Beginn meines Vikariats sagte in Bezug auf meine Aufgabe als Liturgin im Gottesdienst. Sie sagte: Es geht nicht um dich. » More: Zwischenstand: … und nicht zurück auf Null